Tauchkurse für Menschen mit Behinderung

Tauchkurs gesucht? Grundsätzlich kann jeder, der das möchte und tauchtauglich ist, tauchen lernen. Je nach Einschränkungen gibt es für behinderte Menschen spezielle Tauchkurse. Der große Unterschied liegt darin, dass dabei alle Beteiligten speziell geschult sind, um mit Menschen mit Einschränkungen zu tauchen. Die Betreuung ist viel engmaschiger, es steht in der Regel mindestens ein Tauchlehrer pro Tauchschüler zur Verfügung, zudem weitere Helfer im Wasser und an der Oberfläche.


Hier erfährst du alles über die Tauchausbildung für Menschen mit Behinderung, für Tauchbegleiter sowie Tauchlehrer. Vielleicht kommt auch einer der Tauchkurse für dich in Frage?



Voraussetzungen für Tauchkurse für alle gleich

Alle Taucher müssen, wenn sie einen Tauchschein machen möchten, fit genug dazu sein, einen Tauchtauglichkeitsbescheinigung (TTU) vorlegen, brauchen entsprechende Ausrüstung und müssen die Theorie verstehen sowie Praxiseinheiten im Pool und im Freiwasser machen. Wer sich in der Lage fühlt, zudem eine Distanz von 200 m ohne Schwimmhilfen im Wasser zu schaffen und keine Beschränkungen in seiner Tauchtauglichkeitsuntersuchung hat, kann ganz regulär bei jeder Tauchschule seinen OWD (Open Water Diver), den ersten Tauchkurs für Tauchanfänger, machen.


DDI-Tauchkurse: Einteilung je nach Behinderung und Hilfebedarf

Je nach Notwendigkeit von Helfern wird beim Handicaptauchen in drei Stufen, Levels oder Klassifizierungen unterteilt. Die Begriffe sind je nach Verband unterschiedlich, die Einteilung ähnlich. Ich zeige dir nachfolgend am Beispiel von DDI (Disabeld Divers International), was das genau bedeutet. Du siehst schnell, dass es auch mit erheblichen körperlichen Einschränkungen möglich ist zu tauchen. Als Level-3-Taucher brauchst du am meisten Hilfe, aber das dürfte dir von deinem alltäglichen Leben bekannt sein. Also, warum nicht auch tauchen?

DDI-Level nach Anforderungen der benötigten Unterstützung

Level 1: Dieser Taucher kann mit jedem anderen zertifizierten erwachsenen Taucher tauchen. 

 

Level 2: Um die Anforderungen an die gleiche Unterstützung aller Taucher in einer Notsituation zu erfüllen, muss der Kandidat mit zwei erwachsenen zertifizierten Tauchern tauchen, von denen einer als DDI Assistant Diver oder durch ein DDI anerkanntes Behindertentaucherprogramm mit gleicher oder höherer Zertifizierungsstufe ausgebildet sein muss.

 

Level 3: Um die selben Anforderungen zu erfüllen, muss der Kandidat bei Level 3 mit drei erwachsenen zertifizierten Tauchern tauchen, von denen einer als DDI-Profitaucher oder von einem DDI-anerkannten behinderten Taucherprogramm mit gleicher oder höherer Zertifizierungsstufe ausgebildet sein muss. 

 

Disabled Divers International (DDI) ist eine gemeinnützige Organisation mit dem Ziel, die Ausbildung für behinderte Taucher für professionelle und nicht professionelle Studenten zu fördern, zu entwickeln und durchzuführen. Kurse gibt es sowohl für professionelle Taucher als auch für Hobbytaucher (Quelle: www.ddivers.org).


Tiefenbegrenzung und Begleitung

Kein Mensch ist davor gefeit, im Laufe seines Lebens durch Unfall oder Krankheit mit körperlichen Einschränkungen leben zu müssen. Wer zuvor bereits tauchen gelernt hat, kann seinem Hobby dennoch weiter nachgehen, immer unter der Voraussetzung, dass die TTU dies bescheinigt und keine akuten Infekte oder andere Kontraindikatoren dagegen sprechen. Zur Sicherheit für den Taucher und seinen Buddy wird der Taucharzt möglichweise die Tauchtiefe begrenzen und eine zusätzliche Assistenz beim Tauchen erfordern, quasi der Buddy für den Buddy. 

Inklusiver Sport für Menschen mit und ohne Behinderung

Ich finde ja, dass Tauchen ein absolut inklusiver Sport ist. Es gibt Rollstuhl-Basketball, Rolli-Torball, auch Skifahren ist für Gehbehinderte möglich und ja, noch viele andere Sportarten. Aber du siehst immer den Unterschied. Beim Rolli-Basketball, klar, da sitzen alle im Rollstuhl. Beim Skifahren braucht es extra eine teure Ausrüstung, um im Sitzen zu fahren. Und so weiter. 

Beim Tauchen sind alle gleich

Nicht so beim Tauchen. Da sind alle gleich! Es gibt immer Wege. Wer gelähmt oder beinamputiert ist, kann sich mit den Armen unter Wasser vorwärts bewegen. Wer Spastiken hat, kann beim Tauchen durch den Wasserdruck Erleichterung verspüren. Wer sehbehindert ist, kann gemeinsam mit nicht-Behinderten durchs Wasser gleiten und die Schwerelosigkeit spüren.   

Integration in der Tauchausbildung  - mehr davon, bitte

Gerade für ehemalige leidenschaftliche Taucher, die durch einen Unfall querschnittgelähmt oder amputiert sind, ist das Tauchen ein integrativer Sport. Eine Möglichkeit, gemeinsam mit Freunden etwas zu unternehmen. Selbst wenn es dann eben mehr Helfer und vor allem auch viel mehr Zeit braucht - ja und? Das, was zählt, ist doch am Ende das gemeinsame Erlebnis. Ich würde mir sehr viel mehr davon wünschen. Mehr Tauchschulen, die Tauchkurse für Behinderte anbieten und sich die extra Zeit dafür nehmen. 


Tauchkurs DDI Assistant Diver

Eine Möglichkeit, deinen Tauchpartner mit Behinderung zu unterstützen, ist die Ausbildung zum DDI Assistent Diver. In diesem Kurs lernst Du, diejenigen Taucher, die auf einen Assistant Diver angewiesen sind, zu unterstützen, und zwar vor, während und nach dem Tauchgang. Du lernst einzuschätzen, wann Deine Hilfe gebraucht wird, lernst die Techniken, die hierfür nötig sind. Als DDI Assistent Diver kannst du behinderten Menschen ein Stück Freiheit und Selbstbestimmtheit vermitteln. Das ist doch toll! 

Aufbau DDI Assistant Diver Kurs

Mit je zwei Pool- und Freiwasser-Tauchgängen erfährst Du in der Theorie, welche Arten von Einschränkungen es gibt und wie Du unter welchen Voraussetzungen helfen und eingreifen solltest. Du wirst auf etwaige Situationen und Notlagen vorbereitet und trainierst in der Praxis die Möglichkeiten, angemessen darauf zu reagieren. Das sind die Inhaltsschwerpunkte:

  • Techniken zur Unterstützung und Stabilisierung
  • Planung eines Tauchgangs
  • Vorgehen bei Notsituationen
  • Kommunikationstechniken unter Wasser

Wer kann am DDI Assistent Tauchkurs teilnehmen?

Um am DDI Assistant Tauchkurs teilzunehmen, musst Du

  • mindestens 18 Jahre alt sein,
  • 30 geloggte Tauchgänge vorweisen können,
  • den Rescue Diver-Kurs abgeschlossen sowie 
  • innerhalb der vergangenen 24 Monate einen Emergency First Response-Kurs absolviert haben.

Außerdem solltest Du körperlich fit sein, um auch außerhalb des Wassers unterstützen zu können, etwa beim Anlegen der Kleidung und dem Transport des Tauchequipments.


Tauchkurs PADI Adaptive Support Diver

Mit der Weiterbildung zum PADI Adaptive Support Diver kannst du deine Wahrnehmung unter Wasser in Bezug auf Deine Mittaucher schärfen und lernst adaptive Techniken, um Deinen Buddy beim (Frei-)Tauchen zu unterstützen – beispielsweise, wenn er eine Behinderung hat. Ich stelle hier den Buddy-Kurs von PADI vor, da ich selbst diesen Kurs absolviert habe. Ähnliche Kurse bieten die meisten Tauchorganisationen an, einfach mal an deiner Tauchschule nachfragen.   

Wer kann Buddy für Taucher mit Behinderung werden?

Diesen Tauchkurs können PADI Open Water Diversoder PADI Freediver absolvieren, die mindestens 15 Jahre alt sind und innerhalb der letzten 24 Monate den Emergency First Response-Kurs abgeschlossen haben. Wir empfehlen auch, dass Du vor Beginn Deiner Ausbildung zum PADI Adaptive Support Diver bereits den Tauchkurs Tarierung in Perfektion abgeschlossen hast, um Dich an die verschiedenen Situationen und Herausforderungen unter Wasser anpassen und Dich selbstsicher bewegen zu können. 

Aufbau des Adaptive Support Diver Tauchkurses

Neben den theoretischen Kenntnissen lernst du bei diesem Tauchkurs in zwei Tauch-Workshops, sowohl in Freiwasser als auch in Confined Water, nützliche Techniken, die dich zu einem besseren Taucher machen. Und so auch zu einem besseren Buddy für Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Du lernst neben diesen Tauchkenntnissen auch, die individuellen Erfordernisse von Menschen, die eine Behinderung haben, besser wahrzunehmen. (Quelle: www.padi.com)

Für Tauchlehrer - PADI Adapative Techniques Tauchkurs

Der PADI Adaptive Techniques Diver-Kurs richtet sich an PADI Professionals, „die gerne über den Tellerrand blicken und es Menschen mit Einschränkungen ermöglichen wollen, sich unter Wasser ebenso frei und ausgelassen zu fühlen. Dieser Tauchkurs schärft Deine Sinne und erlaubt es Dir, Dich auf Menschen mit physischer oder geistiger Behinderung einzustellen und diese bei ihrem Tauchabenteuer zu unterstützen.“ So heißt es wörtlich bei PADI.

Das bringt dir der Tauchkurs für adaptive Tauchtechniken

Nach Abschluss des Kurses bist Du in der Lage, Menschen mit leichten körperlichen Einschränkungen auszubilden, sie zu beraten, zu ermutigen und zu motivieren! Der Tauchkurs für Professionnels stärkt außerdem, so heißt es bei PADI, deine Wahrnehmung und Empathie. Wie übrigens auch der Buddy-Tauchkurs für die Hobbytaucher.

"Die Haftung ändert sich nicht. Du hast immer die Pflicht zur Fürsorge." Syed Abd Rahman

PADI IDC Staff Instructor, Syed Abd Rahman, der an der Entwicklung des beteiligt war, erklärt: „Der Adaptive Techniques Specialty Kurs hilft dir dabei, die Standards in einem neuen Licht zu sehen. Du lernst, dich an den Tauchschüler anzupassen, ohne dabei vom Kurs der Leistungsanforderungen abzuweichen. Du erweiterst deine „Toolbox“ um Fertigkeiten, die auf alle Schüler angewendet werden können.“

 

Syed ist auch Botschafter für Diveheart in Malaysia, der gemeinnützigen Organisation für behinderte Taucher. Er räumt mit einem der häufigsten Missverständnisse über die Arbeit mit Tauchern mit Behinderung auf: „Die Haftung ändert sich nicht. Du hast immer die Pflicht zur Fürsorge."

Voraussetzungen für den PADI Adaptive Techniques Kurs

Du musst mindestens 18 Jahre alt und entweder PADI Divemaster (oder vergleichbar von anderen Tauch-Organisationen) sein. Du musst in den vergangenen 24 Monaten den Kurs PADI Emergency First Response abgeschlossen haben und brauchst natürlich eine Tauchausrüstung. Du solltest gut tauchen und tarieren können. Das macht es leichter, wenn du anderen hilfst. ABer davon sollte man ausgehen, wenn du bereits Divemaster bist.

Tauchkursinhalte - Verantwortungsbewusstsein und Empathie inbegriffen

Neben dem Theorieteil spielt die praktische Anwendung bei diesem Tauchkurs eine besondere Rolle. In zwei Einheiten im Schwimmbad sowie zwei Einheiten im Freiwasser geht es um diese THemen:

  • Du lernst anpassbare (adaptive) Techniken, die bei der Ausbildung behinderter Taucher helfen
  • Du verbesserst deine Wahrnehmung individueller Erfordernisse von Menschen mit Einschränkungen
  • Du wirst geschult, Tauchschüler auf Basis ihrer Fähigkeiten und Kenntnisse qualifiziert zu beraten und anzuleiten
  • Du erlernst Techniken, um Tauchschüler mit Einschränkungen zu motivieren, zu ermutigen und anzuspornen

Bei den praktischen Einheiten im Pool übst du, Menschen mit Einschränkungen beim Tauchen zu assistieren. Du solltest dabei ein Gefühl dafür entwickeln, wann Du wie helfen musst. Der Kurs soll dich unterstützen und dein Selbstvertrauen stärken, um diese verantwortungsvolle Tätigkeit auch im Freiwasser durchzuführen.


HSA (Handicapped Scuba Association)

Die Wurzeln der Handicapped Scuba Association (HSA) liegen in einem Forschungsprojekt der University of California-Irvine (UCI) im Jahr 1975. Untersucht wurde dabei, wie sich das Selbstbild von Tauchern ohne Behinderungen verändert, die mit Schülern ohne Behinderungen ihre Scuba-Zertifizierung erlangten. 1981 wurde die HSA offiziell gegründet, seit 1986 ist sie eine unabhängige Tauchausbildungs- und Zertifizierungsagentur. 

Initialzündung für das Behindertentauchen

Die HSA-Tauchausbildungsprogramme für Menschen mit Behinderungen - der Dive Buddy Course (DBC) und der Instructor Training Course (ITC) - wurden in Zusammenarbeit mit PADI und NAUI entwickelt und sind international anerkannt. Auf nationaler Ebene bieten Vereine, wie die ehrenamtlich organisierte HSA-Switzerland, diese Ausbildungen an. 

HSA Dive Buddy Course, Vorreiter der Tauchkurse für Behinderte

Gemeinsam mit Ärzten und langjährigen Assistenten lernst du beim HSA Dive Buddy Course, dich an die neue Herausforder­ung heranzutasten. Ziel des Buddy-Kurses: du kannst einen Tauchpartner mit Handicap unterstützen. Dazu werden verschiedene Übungen, z.B. die Selbster­fahrung als blinder Taucher, durchgeführt. Als HSA Dive Buddy bist du ein idealer Begleiter eines von HSA zertifizierten Tauchers.

HSA Instructor Training Course, Tauchkurs für Professionels

Dieser Kurs baut auf dem Dive Buddy Kurs auf und bereitet dich darauf vor, selbst einmal Taucher mit einer Behinderung auszubilden. Dazu musst du allerdings bereits ein Instructor-Brevet eines Dachverbandes (PADI oder äquivalent) haben. Beim HSA-Instructor Training Course geht es vor allem darum, Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl in der Tauchausbildung zu verbessern. 

Quellen: www.hsa-switzerland.ch, www.hsascuba.com