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Reisegeschichten: Saudi-Arabien

Hey, nenn mich Jacky oder Jacqueline. Denn teils hatte ich mich bei dieser Tauchsafari gefühlt wie eine Forscherin, daher hat mir mein Mittaucher Mike mal kurzerhand einen neuen Spitznamen verpasst: Jacqueline Cousteau, kurz: Jacky. Wie es wirklich war, erfährst du hier:

Saudi Arabien, Farasan Banks, M/Y Typhoon mit der Tauchbasis Schwerelos
Saudi Arabien, Farasan Banks, M/Y Typhoon mit der Tauchbasis Schwerelos

Tauchen mit MS und seine Tücken...

Zugegeben, für mich ist ja jeder Tauchgang wie ein Forschungstauchgang. Schließlich sind zu 99,9% die Tauchplätze für mich immer Neuland. Bei jedem einzelnen Tauchgang erforsche ich meine eigenen Fähigkeiten: komm ich gut runter, hab ich genug Luft, wie schaff ich es später wieder aufs Boot oder Schlauchboot, hält meine Blase dem Druck stand (dazu gleich mehr).... und dann entdecke ich - für mich - immer wieder Bezauberndes, ob es der 1.000ste Clownfisch ist, ist mir auch egal. Nemos sind herrlich, ich mag sie, die sehen einfach so schön aus in den Anemonen, von denen ich bei dieser Tauchsafari wieder einmal nicht genug bekommen konnte. In den herrlichsten Farben, neon-mäßig leuchtend, oben auf dem Riffdach wie ein Korb zusammengerollt, sodass man die Außenseite in prächtigem Lila, Grün oder sonst welchen Farben sehen konnte. Herrlich. 

Mein Glück liegt unter der Wasseroberfläche

Gerne hätte ich euch all das mit meinen eigenen Bildern gezeigt. Aber leider hat meine Unterwasserkamera nicht dicht gehalten (meine Blase schon, was für MS-Betroffene definitiv keine Selbstverständlichkeit ist und ja, dafür bin ich sehr dankbar). Mein lieber Tauch-Buddy Roland sowie Helmut (Tauchbasis Schwerelos) haben mir ihre Bilder zur Verfügung gestellt - auch dafür an dieser Stelle vielen Dank! Hier also ein paar Bilder. Meine Augen strahlen sofort, wenn ich mir nur die schönen Fotos anschaue. DARUM tauche ich. 

Anders als in ägyptischen Gewässern schipperten wir auf der M7Y Typhoon nahezu alleine durchs Rote Meer, ganz weit unten im Süden. Die Route: Farasan Bank. Am ersten Tag war uns lediglich ein Schiff auf den Fersen. Zwei Forscher (die waren das wirklich), denen wir nur ein einziges Mal unter Wasser begegnet sind. Und plötzlich waren sie eh weg. Und wir alleine . Kein anderes Schiff, keine Containerschiffe und andere Frachter in der Ferne zu sehen, kein Land, keine Stadt, kein Baum, kein Hafen. Nichts. Nur wir. 

Weit und breit NICHTS. Wie schön.

Das Tauchen an sich war auch für mich gut machbar. Allerdings ging es immer tief hinab, immer, bei jedem Tauchgang. Zack, 30 Meter, bisschen tiefer, da noch nach Nemo und Dorie geschaut und schwupp, zeigt mein Tauchcomputer plötzlich weitere ungewollte Tiefen an. Da musste jeder schon auf sich selbst aufpassen. Das haben wir! Und weiter oben taucht es sich ohnehin viel schöner. Bessere Sicht, viele, viele, Riff-Fischlein und Schwärme größerer Fische, Barrakudas hier, Schildkröten da, ab und zu mal ein Hai. Wenig Großfisch, vermutlich war es denen zu warm. Mir übrigens auch, bei 31 Grad Wassertemperatur. 

Tauchen mit Delfinen - knapp verpasst

Fast hätte sich einer meiner ganz großen Träume erfüllt: Tauchen mit Delfinen. Ein paar Mal waren welche da, sind mit dem Schiff mitgeschwommen, dann waren sie wieder weg. Nur einmal, da haben die richtig auf uns gewartet. Wir schnell, schnell, rein ins Wasser - so schnell war ich noch nie in meiner kompletten Ausrüstung. Es wäre zu schön gewesen. Sprung ins Wasser... und dann waren sie weg. Wir waren wohl doch zu viele... 

Helfende Hände für Taucher mit Einschränkungen

Es gibt immer Wege und Lösungen! Wie ihr wisst, setze ich mich fürs Tauchen mit Einschränkungen ein. Weil ich durch meine MS-Erkrankung und die Operationen an Rücken und Bein bzw. Knie selbst zunehmend an Kraft verliere. Und mir gerade das Tauchen aber solch eine Erfüllung bringt und weil ich finde, dass auch andere Menschen mit Behinderung Zugang zu diesem wundervollen, sehr inklusiven, integrativen Sport haben sollten.

 

Hier ein paar kleine Eindrücke, wie selbstverständlich helfende Hände unter Tauchern sind, sowohl beim Vorbereiten, beim Weg ins Wasser oder aufs Beiboot als auch wieder raus aus dem Wasser. Ich lege mein schweres Tauchequipment wann immer es geht ab, bevor ich mich wieder aufs Boot hieve. Alles nur eine Frage der Kommunikation:

Wie das immer so ist bei einer Tauchsafari: Vom Land siehst du nicht viel. Also nicht nur wörtlich genommen, sondern auch von Land, Leuten, Kultur. Wir hatten den letzten Abend, ein Freitag im streng muslimischen Saudi-Arabien, und den haben wir dann doch noch genutzt, um durch die wunderschöne Altstadt von Jeddah zu schlendern. Ein kurzes Eintauchen in eine andere Welt, ich lasse mal die Bilder für sich sprechen. 

Mein Fazit dieser Tauchreise: Tolle Riffe, eine sehr engagierte Crew an Bord der M/Y Typhoon, super Schiff, immer helfende Hände. Saudi-Arabien, ein sehr widersprüchliches Land. Die Altstadt von Jeddah (Dschiddah): sehenswert, unbedingt Zeit einplanen. Die hatten wir nicht, somit war es nurmehr ein kurzer Spaziergang, ein kleiner Einblick. Und das war schon sehr beeindruckend!

Next step: Divemaster 2023

Die Idee ist gereift und die ersten Lektionen hat mir Jörg bereits auf dem Schiff erteilt... Als Divemaster kann und darf ich selbst dann doch noch mehr unterstützen, wenn sich, z.B. bei uns im Verein, Leute mit Einschränkungen zum Schnuppertauchen oder auch zum Tauchkurs anmelden. Es ist jetzt also beschlossene Sache: 2023 wage ich es, nun doch noch den Divemaster zu machen. Warum nicht? Das Leben ist zu kurz für irgendwann...

 

Eure Nicole

Fotos: N. Kraß, Helmut Braun, Roland Berggelt

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Kommentare: 1
  • #1

    Birgit � (Montag, 28 November 2022 18:53)

    Hallo Nicole,
    wieder ganz toll geschrieben! Irgendwann möchte ich auch nochmal nach Saudi Arabien zu den Farasan Inseln.
    (Das letzte Mal im Meer tauchen war ich im April 2019 �. Ich träume sogar schon vom Tauchen, aber seitdem mein Mann so krank ist geht's halt nicht.)

    Ich schwelgen nach deinem Bericht etwas in Erinnerungen:
    Ja vor ca. 50 Jahren, ich war 4 od. 5 Jahre alt, arbeitete mein Vater als Arzt in einem Camp in Saudi Arabien in Chamis Mouchat. Es wurde dort ein Staudamm gebaut.
    Meine Eltern waren damals auch viel Tauchen dort, auch auf den Farasan Inseln! Sie schwärmten immer daß es dort am Schönsten war, kann mich noch sehr gut erinnern. Wollte damals schon immer tauchen.
    Ich hatte einen Eimer wo der Boden eine Glasscheibe war. Damit konnte auch ich die bunten Fische ein wenig beobachten. Machte mir immer sehr großen Spaß.
    Mein Vater hatte damals sogar schon eine Unterwasser Kamera und viel fotografiert.
    Er hat auch viele interessante Super 8 Filme über Wasser gemacht. Werde mir, falls ich wieder mal bei ihm bin, die Fotos von damals wieder mal ansehen ��.

    Dachte mir daß muss ich dir schreiben.

    Liebe Grüße, freu mich schon wieder auf deinen nächsten Bericht

    Liebe Grüße

    Birgit