Vor etwa einem Jahr erhielt ich eine Nachricht von einer Mutter. Sie fragte mich, ob ihre Tochter trotz kognitiver Einschränkungen tauchen lernen könnte. Damals wusste ich noch nicht, wohin uns diese Anfrage führen würde. Heute kenne ich die Antwort.
Jeder große Traum beginnt mit einem ersten kleinen Schritt
Das ist Emilia:
Meine besondere Tauchschülerin.
Eine quirlige 19-Jährige aus Dresden mit kognitiven Beeinträchtigungen.
Meine Aufgabe:
Emilia eher spielerisch statt allzu theoretisch, individuell auf sie und ihr Lerntempo abgestimmt, das Tauchen zu vermitteln.
Unser Ziel:
Das PADI Scuba Diver Brevet, der "kleine" Tauchschein. Und wenn Emilia die Anforderungen nicht erfüllen kann, dann haben wir trotzdem Spaß im Meer bei gemeinsamen Schnupper-Tauchgängen.
Adaptives Tauchen - angepasst auf besondere Bedürfnisse
Ein klassischer Tauchkurs funktioniert für viele Menschen – aber nicht für jeden. Emilia konnte das E-Learning nicht einfach lesen, verstehen und anschließend die Fragen beantworten. Wir mussten einen ganz eigenen Weg finden.
Was adaptive Diving für mich bedeutet
Jeder Mensch ist anders, über Wasser wie unter der Wasseroberfläche. Dennoch müssen alle, die tauchen (lernen) möchten, die gleichen Fertigkeiten lernen und beherrschen. Der Weg dorthin allerdings ist nicht immer gleich. Meine "besonderen" Tauchschüler:innen lassen sich nicht in eine heterogene Tauchgruppe integrieren, da sie aufgrund ihrer Einschränkungen - egal ob körperlich oder kognitiv oder beides - ganz individuell lernen. Und genau DAS macht den Unterschied!
Mit viel GEduld und Gespür - erst Vertrauen aufbauen, dann abtauchen
Ich nehme mir die Zeit. Und wenn es sein muss, kommen wir in ganz kleinen Schritten voran. Pro Tauchgang nur 1-2 Übungen. Mehr geht eben nicht. Emilias Konzentration lässt nicht mehr zu. Dafür baue ich immer wieder spielerisch kleine Lerneinheiten ein, die ihr besonders Spaß machen.
Wenn sie etwas begeistert, dann ist sie nicht mehr zu halten: Emilia macht Purzelbäume unter Wasser, dreht sich flink wie eine Robbe, strahlt übers ganze Gesicht, was ich sogar durch die Tauchermaske sehen kann. Sie winkt freudig den Nemos zu, will nur noch durch die Übungsringe flitzen, hin und her, ohne Unterlass. Wie ein kleines, neugieriges, aufgewecktes Kind - ihre Begeisterung ist ansteckend!
Wehe aber, die Tauchlehrerin kommt mit doofen Übungen an.... an manchen Tagen war meine größte Herausforderung, Emilias Vorfreude aufs Tauchen zu (re)aktivieren. Plötzlich war alles andere interessanter, als Übungen für das Tauchbrevet zu machen. Auch das ist Emilia!
Tauchen lernen ist nicht für alle leicht - Wir mussten unseren eigenen Weg finden
Das dauert. Kostet Zeit. Braucht Geduld. Und Einfühlungsvermögen. Aber auch Hartnäckigkeit.
Denn wenn Emilia nicht will, dann will sie nicht. Letztlich habe ich es aber doch immer geschafft, sie ins Wasser zu locken. Worauf ich ehrlich gesagt auch stolz bin. Nicht Emilia musste sich meinem Unterricht anpassen – ich habe meinen Unterricht an Emilia angepasst. Und es war es wert - ihr Strahlen unter Wasser und die pure Freude, als sie es geschafft hat, sorgen noch immer für Gänsehaut bei mir!
Diese Momente erinnern mich daran, warum ich tue, was ich tue!
Denn nach etlichen Stunden über und unter Wasser, viel Geduld, manchem Überzeugungs-Trick und gaaaaanz viel Vertrauen hat es Emilia schließlich geschafft. Das Tauchen an sich musste sie ja gar nicht lernen. Sie hat sich von Anfang an intuitiv so fantastisch unter Wasser bewegt. Aber auch für den "kleinen Tauchschein", den PADI Scuba Diver, müssen Skills geschafft sowie Theoriefragen verstanden und richtig beantwortet werden.
Jetzt darf sie mit professioneller Begleitung bis maximal 12 m tief tauchen. Eine grandiose Leistung für Emilia, auf die sie sehr stolz sein darf. Und ihrer Mutter dankbar, die ihr das zugetraut und ermöglicht hat!
handicaptauchen, mein Steckenpferd - Das sagt Emilias Mama dazu
Ganz herzlichen Dank für euer Vertrauen in mich und meine Arbeit und vor allem auch für diese lieben, sehr motivierenden Worte!
Tolle Zusammenarbeit mit der PADI-5-Star-Tauchbasis Scuba world divers Makadi Bay
Die gute Zusammenarbeit mit Scubaworld und die vielen immer freundlichen Helfer - sowohl im Trockenen als auch am und im Wasser - haben ebenfalls zum Erfolg dieser besonderen Woche beigetragen.
Großes Dankeschön an alle!
Ich freue mich auf viele weitere gemeinsamen Tauchgänge.
Eure Nicole
Vielleicht fragst auch du dich jetzt, ob Tauchen trotz einer Behinderung möglich ist. Meine Antwort lautet fast immer: Ja – wenn wir gemeinsam den richtigen Weg finden.
Ob beim Schnuppertauchen oder beim Tauchkurs, ob im Tauchcontainer, im Pool, im See in Deutschland oder bei einer Reise nach Ägypten – jeder Mensch verdient die Chance, die Schwerelosigkeit unter Wasser zu erleben.












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