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Viel Luft nach oben

Ich habe ja versprochen, euch mitzunehmen auf meinen Weg zur Tauchbegleiterin für Taucher mit Handicap. Ja, es ist ein Weg… und ein nicht ganz leichter.

Tauchen mit Handicap – Buddy-Kurs Teil I

Sportbad Ingolstadt, Sonntagabend, 19:00 Uhr. Die letzten Schwimmer verlassen das Bad, wir nehmen die andere Richtung: rein! Ab jetzt haben wir vom EC-Diving-Club Ingolstadt und Pfaffenhofen das komplette Bad für uns. Voll bepackt mit Tauchgerödels schwärmen die einen aus zum Schnuppertauchen, andere üben für ihren IDC (Instructor Development Course) und wir – das sind mein Mitstreiter Achim und ich – finden uns beim Pool-Lifter ein. 


 

So ein Pool-Lifter ist sehr praktisch. Hat aber bestimmt nicht jedes Schwimmbad und auch am Strand musst du dir vorher genau überlegen, wie Taucher mit Handicap ans und ins Wasser kommen. Und wieder raus.


Das fängt ja gut an

Gleich zwei Ausbilder sollten uns ans Tauchen mit Handicap heranführen. Den angehenden Adaptive Speciality Instructor Achim und mich, künftig Adaptive Diver Buddy, damit ich Taucher mit Behinderung begleiten darf. Und wie das eben im Leben so ist, läuft selten etwas nach Plan. 

Mia springt ein - aber nicht rein

Während ein Tauchlehrer mit den Schnupperern blubbert, übernimmt Mia kurzerhand unseren kompletten Kurs alleine – bis aufs Tauchen (warum wohl...). Schleppen und Heben natürlich auch nicht, aber dafür sind ja wir da.

3 Männer und ein Härtefall

Sebastian macht auch mit und dann kommt noch Chris dazu, der eigentlich nur mal schauen wollte, ob wir noch was brauchen. Und schwupp, ist er mittendrin. Alles Taucher mit viiiiiiel Erfahrung, ausgebildete Tauchlehrer. Ehm, und eben ich. Weder Tauchlehrerin, noch viel Erfahrung, sprich: 99 geloggte TG.

Allein unter Profis

Aber wir haben eine gemeinsame Mission: Menschen mit Handicap an das Tauchen heranführen bzw. sie dabei begleiten. Für mich – als nicht-Pro und ganz neu im Verein - nur das Begleiten, die Übungen mache ich aber trotzdem alle mit. Schadet ja nicht.

Worüber ich mich total freue: Achim macht diesen Kurs zum Adaptive Speciality Instructor, nachdem er – ratet mal, was, gelesen hat? Genau – meinen Blog! Das hat er jetzt davon, denn jetzt ist er mit drin. Im Blog.

Jetzt geht's los - Step by Step

  1. Mach dich mit der Situation vertraut: Ist die Umgebung barrierefrei, wie kommen Taucher mit Handicap ins Bad rein, zum Wasser hin, hinein und wieder raus?
  2. Lerne deinen Schüler bzw. Buddy kennen: Welche körperlichen und/oder geistigen Einschränkungen sind zu beachten?
  3. Helfe, nachdem du gefragt hast, ob und falls ja wobei dein Tauchschüler oder Buddy Unterstützung braucht!

Regel #1: Erst fragen, dann handeln!

Wenn eine Person, ob mit oder ohne Handicap, den Eindruck macht, Hilfe zu benötigen: frag zuerst, ob sie Unterstützung braucht, bevor du etwas unternimmst. Ob sie Hilfe brauchen oder nicht – die meisten Menschen werden positiv darauf reagieren, wenn du beides zeigst: Fürsorge und Respekt!


Und... action!

Wir simulieren eifrig an Land, in unserem Fall im wohlig warmen Sportbad. Wir stopfen uns gegenseitig in unsere Neoprenanzüge rein, mopsen uns dafür zwei Mülltüten vom Reinigungspersonal (pssst, nicht verraten), drücken, schieben, quetschen, zwängen, bis der Schweiß tropft. Drin in dem engen Ding dürfen wir dann endlich ins – ebenfalls kuschelig warme – Wasser.

(Anm. Taucher mit körperlichen Einschränkungen würden wir wohl nicht in einen 5-mm-Anzug stecken)

Leichter gesagt, als getan. Aber wir sind uns alle einig: Wer mit einem Handicap lebt, weiß selbst am besten, wie er/sie angepackt werden soll, um ins Wasser zu kommen. Daher: miteinander reden! Eigentlich sollte ja auch ein Rollstuhl bereitstehen. Es übt sich einfach besser, wenn man Situationen so gut es eben geht nachstellt, also das Rein- und Raushieven und „zu Wasser lassen“.


 

Rollstuhl vergessen zum Üben. Aber Achim hat im Schwimmbad einen Rolli rumstehen sehen. Den leihen wir uns aus.

 

Es ist ein rollbarer WC-Stuhl….. aber bestens geeignet für unsere Übungen! Hier auf dem Bild im Eck zu sehen :-)


Im Wasser das gleiche Spiel: Welche körperlichen Einschränkungen erfordern welche Hilfe? Ausprobieren hilft unglaublich, es besser zu verstehen. „Ich kann meine Arme benutzen, also gib mir mein Jacket und ich mache das alleine.“ Mit Handflossen ziehe sogar ich, bekanntermaßen eher lahme Ente, flotte Runden am Beckenboden. Viel schwerer fällt es mir, die Balance zu halten mit nur einem Arm. 

Blindes Vertrauen = 100 Prozent Vertrauen

Blindfisch-Tauchen ist wieder so eine Herausforderung. Ganz ehrlich, ich wäre komplett lost! Und tatsächlich krieg ich unter Wasser mit verdeckter Maske Puls, weil ich meinen Buddy nicht spüre. Nur kurz, aber das reicht schon. Besser also, ich halte mich an ihm fest. Gar nicht so einfach, das alles. 


Wenn dein Tauchpartner blind ist, vereinbart ihr die Zeichen in Ruhe miteinander. Mit den bekannten Aufgaben wie Maske ausblasen, Strecke tauchen, Zeichen geben, aber mit verbundenen Augen, wird es dir bewusst, dass du dich zu 100% auf deinen Buddy verlassen musst! 


Die letzte Hürde für heute: Raus aus dem Wasser, mit all unseren simulierten Handicaps. Für die Jungs war zumindest das die leichteste Übung, da sie als Tauchlehrer ja längst fit im Bergen und Retten sind. Da geht's wohl ähnlich zur Sache. Aber das kommt für mich erst im Mai beim Rescue Diver Course. 


Davor startet noch mein "echter" Buddy-Kurs: Schwimmbad, Theorie und schließlich ab in den See….. Ich nehme euch gerne mit!

 

Eure Nicole

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Kommentare: 2
  • #1

    Simi (Freitag, 01 April 2022 04:44)

    Sehr spsnnend!

  • #2

    Alexander (Dienstag, 05 April 2022 13:53)

    Hatte es zwar von Dir schon kurz erzählt bekommen,
    jetzt kann ich es mir aber einigermaßen auch gut vorstellen, wie es letztens im Sportbad so war....
    dieses 100%ige Vertrauen in den Buddy ist sicher bei der Art von Tauchen das wichtigste!?
    schön weiter üben .-) !