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Rollifahrer Roland taucht ab

Leute, es wird ernst. Während wir uns im Adaptive Diver Kurs, Teil 1, noch gegenseitig in die Neos gequetscht, uns blind vom Eingang zum Wasser geführt haben, mit verbundener Maske getaucht sind und uns mühevoll zum Wasser, ins Becken rein und wieder raus geholfen haben, ist heute Schluss mit Simulation.

 

Spina Bifida und die Folgen

Roland Arendt taucht mit uns. Wegen der verminderten Sensibilität und Lähmung seiner Beine ist der 49-jährige Business-Analyst im Rollstuhl unterwegs. Der Grund: Spina Bifida, eine Fehlbildung der Wirbelsäule und des Rückenmarks. 

Mit Rolli selbstständig bis zum Beckenrand

Als wir das ganze Tauchzeugs ins Bad reinschleppen, erwartet Roland uns schon fix und fertig im Leih-Neoprenshorty in seinem Rolli. Und die Überraschung: Er ist bereits zertifizierter Taucher (AOWD), war allerdings vor 12 Jahren zum letzten Mal tauchen. Das sollte nicht die letzte Überraschung bleiben. 

"Sport ist super für die Psyche."

Roland liebt Herausforderungen und wenn er etwas macht, dann richtig. Monoskifahren zum Beispiel oder Rollstuhl-Basketball. „Es ist super für die Psyche, wenn du Sport machst“, sagt er.

"Wenn ich tauche, dann will ich den Schein!"

Das mit dem Tauchen lief so: Gerhard, mit Roland seit Jahren befreundet, wanderte nach Thailand aus und leitete auf Phuket eine Tauchschule – bis der Tsunami kam. Zurück in Deutschland traf er Roland auf einer Party wieder, zeigte ihm ein Tauchvideo und sagte: „Das kannst du auch!“

Roland beim Tauchen in Phuket, 2008
Roland beim Tauchen in Phuket, 2008

Keine halbe Sachen: "Wenn ich tauche, dann will ich auch den Tauchschein!"

Gesagt, getan! 2008 reiste Roland nach Thailand, wo er auf Phuket seinen ersten Tauchschein machte, zwei Jahre später den AOWD. Beides mit Gerhard und vielen selbst getüftelten Hilfsmitteln, frei nach dem Motto: geht nicht, gibt’s nicht. 

Tauchen mit Handicap - Kreativität gefragt

Man nehme zum Beispiel eine Hängematte und einen Flaschenzug, etwas Erfindergeist und schon gelangt Roland auch aufs Oberdeck. Da haben wir es im Sportbad einfacher: mit dem Lifter taucht Roland ganz alleine ins Becken ein. Zum ersten Mal übrigens, wie er uns verrät.

Ob es denn beim Tauchen für ihn aufgrund seiner körperlichen Einschränkungen Grenzen gibt, will ich wissen. Starke Strömung zum Beispiel. „Nö, Drift-Tauchgänge find ich super, da kommst du endlich mal richtig vorwärts“, antwortet Roland zu meiner Überraschung. Das hätte ich nicht gedacht! 

"Mit Strömung kommst du endlich vorwärts."

Einmal aber ging es selbst Roland zu flott, denn beim Auftauchen war kein Boot in Sicht. „Das war dann schon ein mulmiges Gefühl. Plötzlich bist du mitten im Meer und fragst dich, ob du da jemals wieder aufgepickt wirst.“ Das wiederum kenne ich – wie vermutlich die meisten Taucher auch.

"Du musst ein Ziel haben!"

Ich frage Roland, ob er anderen Menschen mit Behinderung raten würde, das Tauchen mal auszuprobieren? „Kommt darauf an, wie sehr du es wirklich willst. Wie sehr dich das reizt. Und du musst ein Ziel haben!“ Mit Blick auf den Tauchscooter, mit dem Chris ein paar recht flotte Proberunden durchs Becken zieht, fügt Roland schmunzelnd hinzu: „Das wäre auch so ein Ziel.“ 

Fürs Erste sind wir alle total zufrieden. Besonders angetan haben es Roland der Lifter und die Handflossen: „Die sind viel besser als die Handschuhe mit Schwimmhäuten, die wir damals in Thailand hatten.“ Und kaum hat er den Dreh raus, taucht er uns auch schon davon. 

Danke Roland! Schee war's. Fortsetzung folgt! 

 

Bleibt dabei und folgt mir auch auf Instragram unter @tauchenmithandicap

 

Eure Nicole


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